Sommerandacht

Jul 3, 2022

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem HERRN, denn er kommt um die Erde zu richten (1. Chronik 16,33)

Monatsspruch August 2022

Bäume jubeln nicht und Büsche schimpfen nicht. Das weiß jedes Kind. Aber was wäre wenn? Stellen wir uns einen Augenblick vor, Eichen, Kiefern, Buchen, Eschen und Fichten könnten reden, schimpfen, schreien und auch jubeln. Förster:innen und Waldspaziergänger:innen müssten sich dann einiges gefallen lassen. Und wie wäre es erst mit den Waldarbeiter:innen? Würde jeder Baum betteln, nicht gefällt zu werden oder sich sogar zusammen mit anderen eine Überlebensstrategie überlegen. In Tolkiens „Herr der Ringe“ schließen sich die „Ents“ nach langer Besprechung zusammen. Sie verhindern damit die Ausrottung der Bäume durch Sarumans aggressive Abholzstrategie mit dem Ziel, Kriegsmaschinen zu bauen. Tolkien beschreibt unter Pflanzen, was Menschen und Tiere seit Jahrtausenden erfolgreich praktizieren. Sie bilden große Gruppen, um gegen einen mächtigen Feind bestehen zu können. Die geballte physische Gewalt verhilft ihnen zum Sieg.

 Wenn Gott kommt, um die Erde zu richten, haben die Bäume mit Sicherheit nichts zu befürchten. Ein Gericht Gottes müsste berücksichtigen, dass Menschen sich in den vergangenen 150 Jahren der natürlichen Ressourcen in einer Art und Weise bedient haben, wie es dem „untertan machen“ der Schöpfungsgeschichte nicht entspricht. Wenn Bäume reden könnten, hätten sie eine Leidensgeschichte zu erzählen. Zur Zeit der Entstehung der alttestamentlichen Chronik vor mehr als 2500 Jahren hat das Volk Gottes, Israel wenig zu jubeln. Bedrohung, Vertreibung, Tod und Zerstörung gehörten für Israeliten seit Jahrhunderten zum Alltag. Für diese Menschen war der Tag mit dem Gericht Gottes vom Ergebnis ganz klar: Freispruch mit Entschädigung. Da jubeln die Bäume, lachen die Büsche und tanzen die Gräser.

Wenn Gott heute zum Gericht kommt, sähe es wohl anders aus. Wenn die gesamte uns umgebende Natur als Zeugen für die Urteilsfindung aufgerufen wäre, würde es wohl so schlimm wie bei der Vertreibung aus dem Paradies. Urteil: Heraus aus dem Garten.

Denken Sie beim nächsten Spaziergang durch den Wald doch einmal darüber nach, wie sich unsere Welt verändern müsste, damit die Bäume jubeln . Und wenn Sie davon eine Idee haben, was wäre dann für Sie persönlich der erste Schritt?

Ihr Kay Oppermann, Pastor